Windpocken, Masern, Keuchhusten, Kinderkrankheiten gehören nun einmal zum Repertoire. Erst denkst Du nur du denkst, dann haut’s nach den Trockenübungen doch nicht hin. Ein gewisses Maß an Stressresistenz und ein hohes Frustrationspotenzial sind Grundvoraussetzungen zum U-Boot Bau. Ganz nach dem Motto: „Wenn’s einfach wär, könnt’s jeder.“ Nach fast 2 Jahren Bauzeit war es dann endlich soweit: Entjungferung. 

Wie liegt sie, wo muss noch Ballast rein? Ich hatte etwa 750 g weniger kalkuliert um Spielraum zu haben, was sich aber durchaus trotz mehrfachem Wiegen aller Komponenten als zu gering erweisen sollte. Tatsächlich war das Boot nun 500 g zu schwer. Es auf Wasserlinie zu bringen war nicht das Problem, ich hatte schlicht zu viel Abtrieb verbaut, aber das merkte ich erst später bei den Tauchversuchen. Alles dicht? Vorsichtiges Fluten, liegt sie waagerecht, verändert sich der Schwerpunkt? Nichts, was nicht einfach zu bewältigen schien, aber ein paar Tropfen im Heck. Alles wieder ausgebaut, Heck ins Wasser getunkt – macht Wasser. War vor einem Jahr bei der Überprüfung des Rohbaus dicht… Also wieder Glibber anrühren und mit Glasfasermatten und langen Werkzeugen laminieren. Weder Sekundenkleber noch Endfest scheinen das ewige Leben zu haben, ein distinguiertes, leises „Knacks“ zeugte an einigen Stellen vom Ende einer innigen Einigkeit. Oder ich habe schlicht zu filigran gebaut, weiss man halt erst hinterher. Einen gequetschten O-Ring bei den gesteckten Winkelstücken der Schornsteine bemerkte ich auch bald, Wasser in der Rauchkammer zeigte den Fehler deutlich. Wenn man weiß, wo das Problem liegt, ist es schnell behoben. Meist.

Dreh, dreh, dreh doch endlich!

Die Trimmung über Wasser sah bis auf wenige Millimeter gut aus, aber mit der Balance zwischen Trimm- und Tauchtanks? Sie senkte den Bug beim Fluten, keine Möglichkeit, irgendetwas am Technikgerüst zu verschieben… da aber die Tanks sich als überdimensioniert zeigten, konnte ich das Volumen reduzieren und den Schwerpunkt im gefluteten Zustand dadurch nach hinten bringen, bis es passte. Wie schon geahnt, reagiert sie auf das Ruder zeitgemäß, siehe Eisbergwarnungen. Aber die Titanic war im Vergleich dazu eher ein Brummkreisel… Obwohl das Ruder sehr groß ist und auch oben noch ein weiteres Ruder verbaut ist (was natürlich über Wasser nicht hilft). Wobei – dessen Sinn bestand in einem ganz anderen Punkt. Die Ingenieure hatten die Befürchtung, durch ein einzelnes, tief angebrachtes Ruder würde das Boot bei Unterwasserfahrt und Hartruderlage kränken und womöglich sogar kentern, dem sollte das hoch angebrachte, zweite Ruder entgegenwirken. Es dauerte aber dann nicht lange, bis man den Denkfehler einsah. Oft macht halt erst die Erfahrung klug… Jedenfalls ist ein deutlicher Unterschied beim rückwärtsfahren zu sehen, da wird der „Baumstamm“ deutlich wendiger. Immerhin wird dabei das Ruder von den Propellern angeströmt – der Wendekreis sinkt von etwa 12 m auf 6 m. 

Diese Erkenntnis führte seinerzeit bei den Konstrukteuren bald zum Umdenken, die Ruder wurden bei späteren Baumustern hinter die Schrauben verlegt. Das Wissen um diesen „Vorsprung“ unterlag allerdings strengster Geheimhaltung, wobei die Briten es schon lange so machten. Wahrscheinlich hatten sie es Geheim gehalten.

Mit den schmalen Schrauben und wegen der ordentlichen Masse von 14 kg setzt sie sich nur langsam in Bewegung, relativ Scale also. Die Zeit zum Fluten der Trimm-und Tauchtanks beträgt ca. 1 Minute, kommt dem Original auch nahe. Das Wellenbild ist sehr beeindruckend und entspricht genau dem, was die Fotos des Vorbildes zeigen. 

Da es seit Jahren einfach bei mir rumstand, habe ich SR24 Rauchöl verwendet, das Ergebnis genügt mir noch nicht ganz. Ich habe mir wasserbasierende Substanzen mit Paraffin besorgt, wie sie bei Nebelmaschinen oder Flugmodellen üblich sind, und werde testen. Eventuell bringe ich an der Turmreling eine Persenning an, die beim Original zum Spritzwasserschutz bei Überwasserfahrt fast immer zu sehen ist, zum Tauchen aber abgenommen werden muss. Oder ich mache mich gleich ans nächste Petrolboot…

U9?

Nach dem Erfolg wurden wie damals üblich zig-Millionen Postkarten aufgelegt. Da es aber noch kein Internet gab, wo man sich einfach ungefragt bedienen konnte, waren Fotos der U9 sehr rar. Deshalb wurden alle Bilder, die halbwegs nach U-Boot aussahen, sogar mit einer 9 am Bug retuschiert und gedruckt. Die Postkarten kursieren immer noch. Und wie ich feststellen konnte, haben sich sogar versierte Modellbauer täuschen lassen und U5 bis U8 als Vorbild für ihre Standmodelle genommen. Tja. Zeit für Veränderung.

 

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